Reden ist Silber, Schweigen ist Senf

Stille ist eigentlich etwas sehr Schönes. Gerade wenn man Kinder hat, ist Ruhe ein herrliches und rares akustisches Phänomen in dessen Genuss man eher selten kommt – eigentlich nur nachts. Wobei auch die Nächte nicht unbedingt ein Garant für himmlische Ruhe sein müssen, vor allem wenn das eigene Heim gerade unter einem Viren- und Bakterien-Bombardement steht. Doch, so ein paar Sekündchen Stille am Tag, das ist schon was ganz Feines. Allerdings können mehrere Minuten Stille, wenn man den eigenen Nachwuchs nicht im Blickfeld hat, auch als Zeichen für erhöhte Alarmbereitschaft gewertet werden. Ruhe auf einer Großbaustelle ist auch mit Vorsicht zu genießen, zeugt sie nicht selten vom Bankrott des Bauträgers. Leider fehlinterpretierte ich diese Woche gleich mehrmals das Schweigen meiner Tochter als Symbol für Frieden und Harmonie. Ich Anfängerin! 

Gäb, rot, gün, bau!

So begann schon der Montag mit einem ungewöhnlich stillen Nachmittag. Beide Kinder saßen in fröhlicher Eintracht auf dem Bett und malten. Wobei der Stenz immer wieder seine Arbeit unterbrach, um mir seine Kunst-Kollektion zu präsentieren. Daher wähnte ich mich in Sicherheit und vergaß bei der geballten artistischen Euphorie des Stenzes, über eine E-Mail gebeugt, für ein paar Minuten meine Tochter. Diese nutzte das Entgehen der mütterlichen Kontrolle um ihrerseits ihr gesamtes schöpferisches Potenzial anzuzapfen und sich als famose Magierin zu betätigen. Denn sie zauberte mit den Zauberstiften ihres Bruders ein ganz wundervolles Gemälde auf das Hochbett und das Bettlaken. Auch ihre Hände und Beine sahen ziemlich verhext aus und leuchteten mir, als ich mir die stille Existenz meines Zweitgeborenen wieder in Erinnerung rief, schillernd grün entgegen. Mein sprachloses Schweigen aufgrund der grünen Hexerei nutzte mein Mädchen, um mir ihren künstlerischen Ansatz mit den Worten zu erklären: „gäb (gelb), rot, gün (grün), bau (blau)“ und sie strahlte mit der Sonne draußen um die Wette.

Die schleimlösende Couch

Doch der Montagnachmittag stellte nur den Auftakt für das noch kommende künstlerische Feuerwerk zur Wochenmitte dar. Denn schon der Mittwoch bescherte mir eine noch viel großartigere Überraschung, die ebenfalls von einer kurzen Periode der Stille eingeläutet wurde. Denn während ich der etwas kränkelnden Tochter im Wohnzimmer eine kleine Inhalationspause gönnte und in die Küche eilte, um für das malade Kind eine Erfrischung zu besorgen, vernahm ich vom Stenz plötzlich die unguten Worte: „Oh nein, das wird Mama aber gar nicht freuen!“ Sogleich sprintete ich zurück ins Wohnzimmer als wäre eine Feuersbrunst hinter mir her, doch ich kam zu spät. Dabei lag mein Sohn vollkommen richtig in seiner Annahme, dass mich eine ganze Flasche zähflüssigen braunen Hustensaft, die von seiner Schwester großflächig auf unserer weißen Couch verteilt wurde, nur in einen mäßigen Glücksrausch versetzen würde.

Tisch trägt Curry

Doch nicht nur die Couch ist seit dieser Woche um dunkle Marmorierungen reicher, auch unser weißer Esstisch musste am Ende der Woche Federn lassen und schimmert seit Freitag in der Trendfarbe „Curry“. Da mein malades Kind seit Wochen nicht recht essen mag, lasse ich ihr Mittagessen törichterweise oft noch ein Weilchen stehen. Am Freitag gab es Würstel mit Kartoffelsalat und Senf. Letzterer wurde zwar von Lou mit den Worten verweigert „essen bää“, ich vergaß ihn aber ebenfalls am Tisch. Ja, ja was bin ich doch für eine Anfängerin, ich weiß! Während ich kurzzeitig den Telefonhörer abnahm, machte sich meine Tochter mit der Farbe „Gäb“ näher vertraut und verschmierte die gesamte Senftube auf unserem Esstisch, ihren Kleidern und in ihren Haaren. Das sah sehr ulkig aus, trug sie nämlich immer noch im Gesicht die Spuren ihres morgendlichen Intermezzos mit meinem Eyeliner. Und so stand sie nun vor mir, wie ein gelbes, geschminktes Knallbonbon mit senfigem Odeur.

Helau und Alaaf!

Doch die Krönung meiner bunten Woche folgte gestern. Als mir unsere Babysitter-Oma zerknirscht verkündete, dass der kleine Spielgefährte meines Mädchens leider die Windel so voll hatte, dass unsere bereits mit Schleimlöser verzierte Couch ein weiteres Mal  in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es geht doch nichts über eine farbenfrohe Woche – gerade zu Fasching – Helau und Alaaf!

2 Antworten auf „Reden ist Silber, Schweigen ist Senf“

  1. Ja so sind sie, die lieben Kleinen. Aber in spätestens 25 Jahren lachen Eltern und Kinder gemeinsam, wenn die Kindeskinder die gleichen Unterhaltungs“künste“ und ihre Talente präsentieren. Dann werden die Blockeinträge der Wellness-Alarmmom für zusätzliche Heiterkeit sorgen:-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.